Eidgenössische Poker Liga Zürich

Non fortuna regit lusum, sed ratio quae fortunam metitur

Reglement

Ausgabe I · HS 26 Als PDF öffnen
Reglement

Eidgenössische Poker Liga Zürich

Spielablauf · Rangliste · Organisation

Nicht das Glück beherrscht das Spiel, sondern die Vernunft, die es bemisst. Wer dies verkennt, mag den Pot gewinnen und die Hand doch verloren haben — unwissend, ob er Recht hatte oder nur Glück.

— Funke, 1887
Non fortuna regit lusum, sed ratio quae fortunam metitur
Zürich Ausgabe I HS 26
Reglement · Ausgabe I
Eidgenössische Poker Liga Zürich

Eine Saison der Eidgenössischen Poker Liga Zürich (EPLZ) umfasst regelmäßige Spielabende über den Zeitraum eines Semesters. Gespielt wird No-Limit Texas Hold’em; im Spielverlauf gelten die üblichen Texas-Hold’em-Regeln, soweit dieses Reglement nichts anderes bestimmt. Jeder Teilnehmer beginnt mit einem fixierten, kostenfreien Startkapital an Chips; ein Ausstieg oder das Ende des Spielabends ist jederzeit möglich. Da Chips nicht mit Echtgeld korrespondieren, führt die EPLZ eine Rangliste aller lizenzierten Spieler, die auf Basis des Endkapitals bzw. der Kapitalbilanz jedes Teilnehmers aktualisiert wird. Dies gibt den Chips ihren nötigen Wert und dem Spiel seine nötige Ernsthaftigkeit; wer die Saison mit dem höchsten Rang abschließt, gewinnt. Regelmäßige Teilnahme wird durch eine Qualifikationsschwelle, eine Auszeichnung und die Möglichkeit belohnt, sich in der Rangliste zu verbessern.

Teil I
Ablauf eines Spielabends
Art. 1Einstieg

Ein Spieler kann zu jeder Runde in einen Spielabend einsteigen, sofern er

  • keine Chips im Spiel hat,
  • am selben Spielabend noch nicht dreimal eingestiegen ist und
  • am selben Spielabend noch nicht ausgestiegen ist.

Ein Einstieg ist immer kostenfrei und umfasst 2.000 Chips. Somit sind Wiedereinstiege möglich, sobald alle Chips verspielt wurden. Hierdurch ergibt sich jedoch kein Vorteil, da jeder Einstieg das Spielergebnis um denselben Betrag verringert.

Art. 2Blinds

Der Small Blind beträgt 10 Chips, der Big Blind 20 Chips. Das Startkapital von 2.000 Chips entspricht damit 100 Big Blinds. Der Small Blind entspricht einem weißen Chip; jeder Blind wird mit einem einzelnen Chip gesetzt.

Art. 3Ausstieg

Ein Ausstieg ist nach jeder Runde möglich, aber zwei Runden im Voraus anzukündigen. Mit dem Ende des Spielabends vollzieht jeder Spieler seinen Ausstieg, sofern dieser noch nicht vollzogen wurde. Das Spielergebnis wird beim Ausstieg erfasst und als Basis für die Rangliste verwendet.

Art. 4Spielergebnis

Das Spielergebnis eines Spielers ist seine Kapitalbilanz in Chips:

Kapitalbilanz
Kapitalbilanz=(Chips beim Ausstieg)(Einstiege)2000.\text{Kapitalbilanz} = (\text{Chips beim Ausstieg}) - (\text{Einstiege})\cdot 2000.

Ein negatives Spielergebnis ist somit möglich.

Teil II
Rangliste

Die Rangliste umfasst mehrere Statistiken und einige Sonderauszeichnungen. Die Hauptwertung basiert auf einer Bewertung der Spielstärke (in Anlehnung an Elo und Glicko) in Form eines statistisch erwarteten Spielergebnisses. Alle Werte der Rangliste werden in Chips angegeben.

Art. 5Qualifikation

Um sich für die Wertung zu qualifizieren, muss ein Spieler an mindestens 40 % der Spielabende teilgenommen haben. Andernfalls erscheint er auf der Rangliste nur „außer Wertung“.

Art. 6Begleitwerte

Neben der Bewertung wird für jeden Spieler geführt:

Unsicherheitsspanne
die individuelle Standardabweichung der Spielstärkenbewertung, in Chips.
Gesamtgewinn
die Summe aller Abendergebnisse, in Chips. Vollständig und ungestrichen.
Abendschnitt
der Durchschnitt der Abendergebnisse in Chips, nach Streichung der schlechtesten zwei Abende.
Gespielte Abende
die Anzahl. Gesamtgewinn und Abendschnitt sind nur zusammen mit dieser Zahl aussagekräftig.
Sonderregel Bei unter vier gespielten Abenden entfällt die Streichung bei der Berechnung des Abendschnittes des jeweiligen Spielers.
Art. 7Auszeichnungen

Das dreistufige Siegerpodium wird gemäß der Spielstärkenbewertung besetzt. Folgende Sonderauszeichnungen werden vergeben:

  • Meiste gespielte Abende
  • Bester Erstspieler
  • Größtes Comebackbestes Spielergebnis nach Wiedereinstieg
  • Geringste Standardabweichung
  • Stärkste Steigerung über die Saison
  • Höchstes Spielergebnis eines Abends
  • Größter Gesamtgewinn
Art. 8Bewertung der Spielstärke

Das Bewertungssystem folgt den Ideen von Elo und Glicko, läuft jedoch nicht online (iterativ), sondern schätzt alle Spielstärken gemeinsam aus sämtlichen Datenpunkten mittels penalisierter kleinster Quadrate (penalized least squares) mit Schrumpfungskoeffizient λ=6\lambda = 6.

Formelsymbole

θi\theta_i
die (latente) Spielstärke von Spieler ii, als erwartetes Spielergebnis pro Abend gegen ein durchschnittliches Feld, in Chips.
yi(s)y_i^{(s)}
das erzielte Spielergebnis (Kapitalbilanz) von Spieler ii am Abend ss.
Fs, nsF_s,\ n_s
die Teilnehmer des Abends ss und ihre Anzahl ns=Fsn_s=|F_s|.
θˉ(s)\bar\theta^{(s)}
=1nsjFsθj=\tfrac{1}{n_s}\sum_{j\in F_s}\theta_j, die mittlere Feldstärke am Abend ss.
σ\sigma
Streuung eines Abendergebnisses um seinen Erwartungswert, σ2400\sigma\approx 2400.
τ\tau
Streuung der Spielstärken zwischen Spielern, τ1000\tau\approx 1000.
λ\lambda
der Schrumpfungskoeffizient.

Datenmodell

Das Ergebnis eines Spielers ist seine Spielstärke abzüglich der mittleren Feldstärke, zuzüglich eines zufälligen Fehlers:

Datenmodell
yi(s)=θiθˉ(s)+εi(s),εi(s)N(0,σ2).y_i^{(s)} = \theta_i - \bar\theta^{(s)} + \varepsilon_i^{(s)},\quad \varepsilon_i^{(s)}\sim\mathcal N(0,\sigma^2).

Der Abzug der Feldstärke θˉ(s)\bar\theta^{(s)} korrigiert um die Gegnerstärke: Ein Sieg gegen ein schwaches Feld hebt die Bewertung kaum, ein Ergebnis gegen ein starkes Feld zählt mehr. Da alle Chips erhalten bleiben, gilt iFsyi(s)=0\sum_{i\in F_s} y_i^{(s)} = 0 — was dem Gastgeber zugleich als Kontrolle beim Erfassen dient.

Schätzung

Die geschätzten Spielstärken θ^\hat\theta minimieren die quadrierten Fehler zuzüglich des Schrumpfungsterms:

Penalized least squares
θ^=argminθsiFs ⁣(yi(s)(θiθˉ(s)))2+λiθi2.\hat\theta = \arg\min_{\theta}\sum_{s}\sum_{i\in F_s}\!\big(y_i^{(s)} - (\theta_i-\bar\theta^{(s)})\big)^2 + \lambda\sum_i\theta_i^2.

Der Strafterm λiθi2\lambda\sum_i\theta_i^2 zieht die Schätzungen zum Mittelfeld. Er ist aus zwei Gründen nötig:

  1. Identifizierbarkeit. Da nur Differenzen θiθˉ(s)\theta_i-\bar\theta^{(s)} eingehen, lässt eine konstante Verschiebung aller Stärken die Vorhersage unverändert; der Strafterm wählt eindeutig die Lösung mit iθ^i0\sum_i\hat\theta_i\approx 0.
  2. Schrumpfung. Ein Abendergebnis ist ein verrauschtes Signal; der Strafterm dämpft glücksbedingte Ausschläge. Je weniger Abende gespielt, desto stärker die Schrumpfung zum Mittelfeld.

In Matrixform mit Beobachtungsvektor yy und Designmatrix XX, deren Zeile zu (i,s)(i,s) die Einträge X(i,s),j=1[j=i]1[jFs]/nsX_{(i,s),\,j} = \mathbb 1[j=i] - \mathbb 1[j\in F_s]/n_s trägt, lautet die Lösung in geschlossener Form:

Geschlossene Form
θ^=(XX+λI)1Xy.\hat\theta = (X^\top X + \lambda I)^{-1} X^\top y.

Unsicherheitsspanne

Unter y=Xθ+εy = X\theta + \varepsilon mit εN(0,σ2I)\varepsilon\sim\mathcal N(0,\sigma^2 I) und dem Strafterm als Prior θN(0,τ2I)\theta\sim\mathcal N(0,\tau^2 I) ergibt sich die Posterior-Verteilung

Posterior
θyN ⁣(θ^, σ2(XX+λI)1).\theta\mid y \sim \mathcal N\!\big(\hat\theta,\ \sigma^2 (X^\top X + \lambda I)^{-1}\big).

Die Unsicherheitsspanne von Spieler ii ist die Wurzel des zugehörigen Diagonalelements:

Standardabweichung
SD(θ^i)=σ[(XX+λI)1]ii.\mathrm{SD}(\hat\theta_i) = \sigma\sqrt{\big[(X^\top X + \lambda I)^{-1}\big]_{ii}}.

Sie ist für Spieler mit wenigen Abenden groß und schrumpft mit zunehmender Teilnahme.

Wahl von λ

Die Deutung des Strafterms als Prior liefert unmittelbar λ=σ2/τ2\lambda = \sigma^2/\tau^2. Da λ\lambda ein Verhältnis zweier Streuungen ist, ist es dimensionslos und einheitenunabhängig. Mit σ2400\sigma\approx 2400 und τ1000\tau\approx 1000 ergibt sich als Startwert λ6\lambda\approx 6. Die Werte σ\sigma und τ\tau werden nach etwa fünf bis sechs Abenden aus den Saisondaten neu geschätzt; die Form λ=σ2/τ2\lambda=\sigma^2/\tau^2 bleibt erhalten.

Teil III
Organisation
Art. 9Gastgeber und Ausrichtungsort

Üblicherweise stellt einer der Teilnehmer als Gastgeber den Ausrichtungsort. Der Gastgeber

  • legt Datum und Beginn fest und kündigt beide rechtzeitig an,
  • stellt Tisch, Karten und einen vollständigen Chipsatz bereit,
  • protokolliert Einstiege, Ausstiege und die Kapitalbilanz jedes Teilnehmers und
  • übermittelt die Ergebnisse nach dem Spielabend an die Ligaleitung.
Wertungsfähigkeit Ein Spielabend ist wertungsfähig, sobald mindestens drei Spieler teilnehmen.
Art. 10Lizenz

Eine Lizenz wird jedem Teilnehmer automatisch ausgestellt, sofern nicht bereits vorhanden. Eine Lizenzgebühr entfällt.

Art. 11Chipwerte
Chipwerte und empfohlenes Startkapital · 2.000 Chips
FarbeWertAnzahlSumme
weiß1010100
rot2010200
blau506300
grün1004400
gelb50021000
Gesamt322000
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